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Poldi

Zickende Zeitbombe

  • »Poldi« ist der Autor dieses Themas

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Sonntag, 4. März 2012, 17:00

Sprechstunde mit Marco Göllner

Marco Göllner war so freundlich und hat sich dem Team der Hörspiellobby für ein Interview zur Verfügung gestellt, er erzählt wie er zum Regiesseur von Dorin Hunter wurde, wie er den Hörspielmarkt momentan sieht, ob es eine Fortsetzung von Goldagengarden geben wird und vieles mehr. Das komplette Interview gibt es hier nun zu Lesen. Viel Spaß!

Danke, dass du dir die Zeit nimmst und für die Hörspiellobby ein paar Fragen beantwortest. Dann mal gleich los mit der Frage warum du Hörspiele machst, was reizt dich an diesem Medium? Deine Eltern wollten doch bestimmt das du was Ordentliches lernst :-)

Meine Eltern wollten auf jeden Fall, dass ich überhaupt irgendwas lerne… aber in eine bestimmte Richtung wurde keins der Kinder „gedrängt“, dass stand uns frei.
Ich bin eines dieser mit Kassetten sozialisierten Kinder. In meiner Jugend gab es drei Fernsehprogramme, einen Plattenspieler im Wohnzimmer und endlich irgendwann einen Kassettenrekorder im Kinderzimmer. Das war eine große Errungenschaft, denn damit konnte man zum ersten Mal in seinem eigenen Zimmer seine ganz eigene Unterhaltung gestalten – mit Kassetten! Insofern war und bin ich „vorinfiziert“. Dann hatte ich mit Hörspiel lange Jahre nichts zu tun. Erst mit meiner Arbeit beim Radio kam das Thema wieder auf. Und daraufhin hab ich mich dann nicht nur praktisch, sondern auch technisch, künstlerisch und geschichtlich damit befasst. Die Motivation selbst ein Hörspiel zu machen kam aus dem Gedanken: „Das kann ich auch!“ Die Motivation Geschichten zu erzählen hatte ich schon immer. Das musste und muss nicht Hörspiel sein und bleiben, das könnte auch Buch oder Film sein. Speziell am Medium Hörspiel reizt mich, dass es noch nicht ausgereizt ist.

Wie beurteilst du die momentane Situation am Hörspielmarkt? Ist der Mark übersättigt und liegt am Boden?

Das kann ich schlecht beantworten, denn da gibt es sicher eine Statistik, die uns erzählt, wie viel Hörspiele im Jahr 2000 gekauft wurden, wie viele 2005 und schließlich 2010. Die würde exakte Auskunft darüber geben, ob und wann ein Boom eingesetzt hat, wie groß er wirklich war oder ist und ob er rückläufig ist oder anhält und somit bestimmen, wo wir heute stehen. Bestimmt gibt es so eine Statistik, aber ich kenne sie nicht. Also kann ich das nur gefühlsmäßig beantworten. Wahr ist sicherlich, dass die Vielfalt der Produktionen ab dem Jahr 2000 rasant gewachsen ist. War „Hörspiel machen“ – aufgrund der technischen Voraussetzungen - zuvor einer meist öffentlich-rechtlichen Minderheit vorbehalten, konnte ab diesem Zeitpunkt, durch Einführung des Computers und des damit einhergehenden digitalen Tonschnitts, jeder daheim qualitativ ähnliche Ergebnisse erzielen. Dieses neue Werkzeug also war der Startschuss zur Wiederentdeckung des Hörspiels, zu einem Hörspielboom, zu dem Hörspielmarkt, wie wir ihn heute kennen. (Wobei dies kein hörspielspezifisches Phänomen ist. Wie wir wissen, schaffte der Computer auch andere neue Märkte oder verlagerte bestehende in das dann folgende Netz.) Meine These ist also: die Masseneinführung des PC führte zu einem Wandel der Märkte, einem Boom in verschiedensten Bereichen, einer Demokratisierung der Medien und einer damit einhergehenden Amateurisierung – und Hörspiel ist davon nur ein ganz kleiner Teil, neben Film, Zeitung, Buch, Musik. (Wandel der Kommunikation noch gar nicht mit aufgeführt) Und wie das so ist, auf einem prosperierenden Markt: viele wollen einen Stand, viele wollen partizipieren, viele wollen sich versuchen. Also wächst der Markt. Seine Hochphase erreichte er meiner Meinung nach gegen Ende des Jahrzehnts, die letzten drei Jahre ist er stagnierend bzw. rückläufig.

Wie schwer oder leicht ist es ein Label für eine Hörspielserie zu begeistern? Grad momentan wo die Label ja reihenweise schließen.

Mit einer Hörspielserie schon eher als mit einem Einzelhörspiel. Sollte eine Serie gut angenommen werden und eine Weile laufen, ist sie länger im Gespräch, interessiert dann vielleicht Nachzügler, so kann auch später noch der Backkatalog verkauft werden. Bei einem Einzelhörspiel ist die Halbwertzeit eine viel kürzere, die Sau irgendwann durchs Dorf gelaufen und ward nie mehr gesehen.
Es ist genauso schwer oder leicht, wie einen Buchverlag davon zu überzeugen, dein Buch herauszubringen. Man verkauft in beiden Fällen eine Idee. Und wenn Du ein Gegenüber findest, das die gleiche Wellenlänge hat, jemanden, den deine Idee begeistert, ist es ganz leicht. Aber das ist äußert selten. Also ist es ganz schwer.
Die Schließung eines Labels hat erst mal nichts mit der Begeisterungsfähigkeit der agierenden Personen zu tun, dem Einkauf eines Stoffes.
Bei Frage nach der Schließung eines Labels kommen wir wieder zum Markt: Weshalb schließt ein Label oder stellt Produktionen ein oder verlagert sein Programm in andere Sparten/Genres? Sicherlich nicht, weil es sich mit den entsprechenden Produktionen dumm und dämlich verdient hat. Sondern aus dem einfachen Grund weil diese keinen Gewinn gemacht haben. Im schlechteren Fall vielleicht nicht mal die Produktionskosten wieder eingespielt haben. Aber wieso, weshalb, warum?
Meine These: Hörspiele werden viel zu billig verkauft!
Viele kleine Labels, die es heute nicht mehr gibt (oder kaum noch bis selten), glaubten, sie könnten mit der Preisgestaltung der großen Labels angewendet auf ihre Produktionen einen Gewinn für sich machen. Aber die Großen machen letztlich einen Gewinn über Masse. Aber kleine Labels verkaufen keine Massen an Hörspielen. Und der Hörspielmarkt ist winzig. Im Vergleich zum Buchmarkt, Zeitungsmarkt, Filmmarkt. Es ist eine überschaubare Anzahl von Käufern. Und selten kommen neue hinzu. Also bewegen sich die Absatzzahlen eines neuen unbekannten Hörspiels im zweistelligen Bereich, eines etwas bekannteren Hörspiels oder durch Werbung vielleicht im dreistelligen Bereich. Das war´s. Mehr Käufer werden nicht hinzukommen. Mehr Fans nicht gewonnen werden. ABER: Wenn man diese Käufer fragt, ob sie nicht gewillt sind, etwas mehr Geld auszugeben, damit man ihre Lieblings-Produktion weiter herausbringen kann (Stichwort: crowdfunding) dann sind sie das meist. Das bedeutet, der Freund des Hörspiels wäre an sich bereit mehr Geld für eine Produktion zu bezahlen, die ihm gefällt. Aber dummerweise geben die großen Labels eine Preispolitik vor bei der ein Hörspiel um die sechs, sieben Euro kostet. Und viele kleine Labels glaubten sie müssten und könnten da mithalten. Aber das hat nicht funktioniert. Kleine Labels – wie jeder andere Laden auch - werden nur dann langfristig existieren, wenn sie Gewinn machen. Und da sie nicht mehr Kunden bekommen, müssen sie mehr Geld verlangen. Ganz einfach. Nur leider trauen sich die wenigsten den Preis anzuziehen. Glauben, sie seien dann nicht mehr marktfähig, konkurrenzfähig. Damit ist der Niedergang dann aber beschlossene Sache. Vergleichen wir den Hörspielmarkt in diesem Punkt mal mit dem Möbelmarkt: Das würde bedeuten, dass der Tischler um die Ecke eine schönen Tisch schnitzt und den zum gleichen Preis anbietet, wie einen Tisch bei IKEA. Weil er sich denkt, bin ich teurer, gehen ja alle zu IKEA. Wie lange wird dieser Tischler das durchhalten? Crowdfunding (für bereits bestehende Produkte) ist das Eingeständnis einer vorangegangenen falschen Preispolitik. Labelschließungen sind hausgemachte Endgültigkeiten verursacht durch Un-Mut, durch Zögern. Wenn ich keine Käufer mehr habe, ok, dann muss ich den Laden dicht machen. Wenn ich aber noch Käufer habe, dann kann ich diesen auch mehr abverlangen. Und das wird meist eher goutiert als Einstellen. Hörspielhörer sind ein sehr treues Volk. Viele wären sicherlich bereit gewesen pro CD drei Euro mehr zu bezahlen, wenn sie nur einen vernünftigen Abschluss von z.B. „Edgar Allen Poe“ bekommen hätten, anstatt der Beerdigung beizuwohnen. So haben sie nun über dreißig Teile im Regal, die irgendwie unbefriedigend sind, weil kein Schluss da ist. Und das schürt Unmut, lässt einige sehr zurückhaltend werden („ich kaufe nur noch, was vollständig ist“ – was keiner neuen Produktion hilft) oder andere das Hörspiel ganz hinter sich lassen. Das kann nicht im Sinne des Marktes sein. So also muss sich dieser, Käufer und Verkäufer, zukünftig von der „Billigkeit“ verabschieden, will er bestehen.
Und bitte komme mir jetzt keiner mit dem Preisvergleich zwischen einem Hollywood Blockbuster auf DVD und einer Hörspielproduktion aus Rheinland Pfalz auf CD. Zwischen „millionenfach verkauft“ und „dreistelliger Bereich“ kann man nicht vergleichen. Oder eben gerade. Und bitte auch keinen Vergleich zwischen einem zweistündigen Theaterbesuch und einem 45minütigen Hörspiel, die beide das gleiche kosten. Hörspiel wird (im freien Markt) nicht subventioniert. (Ganz anders im öffentlich-rechtlichen Bereich, da können sie fein mit unser aller Gebühren niederrheinische Mundart Hörspiel machen, die hinter Wesel keiner mehr versteht und die sie dann um 23.56 senden, aber das ist ein anderes Thema…)
Die Frage ist immer die gleiche: was bin ich bereit für Unterhaltung auszugeben? Und da hat jeder eine andere Antwort, einen anderen Preis. Aber alle, die ihre Unterhaltung, ihr Steckenpferd, im Hörspiel gefunden haben und sich über Niedergang des Marktes in seiner Vielfalt echauffieren, müssen sich darüber klar sein, dass ein Fortbestand dessen, nur über einen realen Preis erzielt werden kann. Und der liegt weit über dem bisherigen.

Mal zum lieben Thema illegaler Download: Machst du dir da Gedanken zu oder kann man letztlich doch nichts dagegen machen? In erster Linie ist immer derjenige der Böse der Hörspiele downloadet (was ohne Frage schlimm ist) aber ist nicht auch grad derjenige der Übeltäter der die Folgen hochlädt? Sollte man da nicht ansetzten um zu versuchen dem ganzen Einhalt zugebieten?

Ich hab mir noch nie darüber Gedanken gemacht, wen ich böser finde, den der es hochlädt oder den der es sich runterlädt. Ich finde, beide sind gleich üble Gesellen. Nicht nur das, ich finde auch, beide sollten mal richtig durchgelassen werden. Ich wünschte, man würde mir mal eine Adresse nennen von irgendeinem Hoch- oder Runterlader, ich würde persönlich vorbei fahren und ihm ganz gehörig den Arsch versohlen! Und nicht nur das, ich würde ihn an die Anhängerkupplung meines Wagens ketten und den ganzen Tag nichts anderes machen als irgendeinen steinigen Berg hoch- und runterzufahren, bevor ich ihm dann seine letzten Zähne aus der Leiste schlage…
Wer wird denn gerne bestohlen? Ich kenne keinen.
Ich würde zu gerne wissen, was diese Hochrunterlader beruflich machen. Nehmen wir an einer trägt Briefe aus. Wird aber danach bezahlt, wie viele er ausliefert. Dann komm ich in der Nacht, kopiere alle Briefe, verteile die und dann kommt er und läuft und läuft und läuft und an jeder Tür hört er: „Hab ich schon, können Sie wieder mitnehmen.“ Und am Ende des Tages hat er alle Meilen gemacht und nix verdient. Und das zieh ich ein paar Wochen durch und dann fragt er sich, wie er die Miete bezahlen soll und seine Tochter sagt ihm, sie hat Hunger und dann frage ich ihn mal lustig nach seinem Gemütszustand und seiner Laune…
Hochrunterlader sind Diebe. Feige Arschlöcher, versteckt in der Anonymität des Netzes. Profilierungssüchtige Analphabeten, die mit Ideen anderer ihr Image aufwerten wollen, weil ihr eigenes Leben ohne Ideen anderer ein so jämmerliches und kümmerliches wäre. Keinen Arsch in derselben aber auf dicke Hose machen. Möge sich einer zu erkennen geben. Ich bin zu einer Unterhaltung bereit. Man kann auch ohne Zähne sprechen…

Wie kam es das du den Dorian Hunter als Hörspiel machst? Hat Dennis Erhardt dich angesprochen oder wie ist die Zusammenarbeit zustande gekommen?

Daran ist Günter Merlau „schuld“. Er war interessiert an der Dämonenkiller-Lizenz und rief mich 2005 an und fragte, ob ich nicht für Dorian Hunter Skripte schreiben wolle. Ich wusste nicht, wer oder was das ist und hab gesagt, er solle mir doch mal die Bücher schicken. Die kamen, dann dachte ich zuerst, Oh Gott, Trashromane! Aber auch eine Herausforderung und ich hatte die ein oder andere Idee. Die brachte ich zu Papier und erstellte ein Treatment über die ersten drei Folgen und schrieb die ersten 30 Seiten des ersten Teils. Die schickte ich zurück. Dann passierte lange Zeit gar nichts und schließlich kam die Absage, nein, wir machen Hunter doch nicht. Also legte ich die Arbeit in eine Schublade. Fast zwei Jahre später las ich im Netz, dass Hunter nun doch herauskommt - von Nocturna Audio. Und neugieriger Weise hörte ich mir das dann an. Hätte ich nie gemacht, wenn ich nicht zuvor damit beschäftigt gewesen wäre. Na ja, hab ich gedacht, deins war besser - und es abgetan. Kurz darauf las ich im Netz, Hunter ginge nicht weiter, Zaubermond wolle es nun nochmal neu machen, diesmal selbst. Da schrieb ich eine Mail an den Verlag, mit dem Inhalt, ich wisse ja nicht, wie weit sie schon seien, aber ich hätte mich mal damit beschäftigt, auf Anfrage eines anderen Labels und die ein oder andere Idee. Dennis Ehrhardt schrieb zurück, ich solle doch mal was schicken. Wie ich später erfuhr, mit wenig Interesse, denn eigentlich hatte er bereits jemanden im Auge. Also nahm ich meine zwei Jahre alten Unterlagen und ohne eine Wort zu verändern, schickte ich sie ihm. Eine Woche später haben wir uns getroffen, zwei Wochen später hatte ich einen Job. Meine ersten 30 Seiten aus dem Jahre 2005 sind übrigens mit dem endgültigen Skript fast identisch. Es entzieht sich meiner Kenntnis, wie oft sich Günter seitdem in den eigenen Arsch gebissen hat, ich aber, bin ihm auf ewig dankbar.

Dorian Hunter basiert ja auf der Romanserie Dämonenkiller. Der erste Zyklus der Serie endete mit Band 17 „Das Dämonenauge“. Zwar gab es einen roten Faden, jedoch waren die Hefte alle an und für sich auch als Einzelabenteuer zu lesen. In den Hörspielen wurde der rote Faden weiter in den Vordergrund geschoben, so dass die Hörspiele ohne Vorwissen eher sperrig wirken. Inwieweit ist denn mit Kürzungen von Handlungssträngen oder dem weglassen von einzelnen Heften zu rechnen? Gibt es einen Masterplan?

Dieser „rote Faden“ ist in den späteren Romanen Dorian Hunters deutlicher, es wird mehr zyklenweise erzählt. Das war am Anfang nicht der Fall, das stimmt, aber diese Erzählweise wollten wir bereits auf die ersten Geschichten übertragen. Also sind die Hörspiele mit Absicht mehr verzahnt als die Romane. Am Anfang dachte man, man bringt mal 10 Romane heraus, deshalb auch die neun Brüder, und bringt in jedem einen um und dann ist es vorbei. Der Erfolg damals ließ aber schnell von diesem Konzept abweichen, so dass bereits in Roman sechs der Gegner kein Bruder mehr war. So konnte man die Serie dann weiter laufen lassen als bloß zehn Folgen.
Mit dem Weglassen von einzelnen Heften ist zu rechnen. Im Grunde ist das ja bereits passiert, da z.B. Teil 14 mit der Vorlage nichts mehr gemein hat außer ein paar Namen. Nun haben wir aber diese Nummer nicht ausgelassen, sondern lediglich neu gefüllt, da ja – wie in den Romanen – alle Brüder tot sein sollten, wenn sich Hunter seinem Vater zuwendet.
Der eigentliche Anschlussroman an Teil 17 ist ja der Roman „Das Fest auf dem Teufelshügel“. Dieser wird bei mir nun nicht Teil 18 sondern Teil 20 werden. Teil 18 wird eine sehr freie Interpretation des Romans „Bei Vollmond wird gepfählt“ sein, also vom eigentlichen Teil 20. Teil 19 wird der eigentliche Roman 22, „Die Leichengrube“, sein. Ab Teil 21 wird dann die zweite Reinkarnation Dorian Hunters im Mittelpunkt stehen, basierend auf dem Roman „Die Vampirin Esmeralda“, dem eigentlichen Roman 19. Man sieht daran, dass es einen Plan gibt, als Masterplan würde ich den jedoch nicht bezeichnen. Ich kann nicht alles im Auge und im Kopf haben, das wäre viel zu viel. Ich konzentriere mich sozusagen auf den nächsten Zyklus, die nächsten 7 bis 10 Romane. So wie in der Vergangenheit auch. Ich habe es gern, wenn es übergreifend ist, wenn es verzahnt ist, wenn eine irgendwann getätigte Handlung erst viel später eine Bedeutung bekommt, wenn Fragen auftauchen, die zuerst unbeantwortet bleiben, aber bitte nicht über dreißig Folgen. Irgendwann müssen Antworten kommen, denn sonst verliert der Hörer die Geduld. Ich gehe dabei immer von mir selbst aus. Mit der gerade erschienenen Folge 17 sind, glaube ich, 90% der offenen Fragen der letzten Folgen beantwortet, ein guter Zeitpunkt Luft zu holen, oder Schluss zu machen, oder unbeschwert mit etwas Neuem weiter zu machen. Wir machen letzteres. Würde Hunter nicht mehr laufen, wäre dies ein guter Zeitpunkt, ihn einzustellen. Es ist ein befriedigender Schlusspunkt, wenn auch traurig am Ende. Einen wirklichen Schluss gibt es bei dieser Serie ja eh nicht, da sie bis heute weiter geschrieben wird.
Und ich wieder spreche noch, dass man alle bisher vertonten Romane hätte auch einzeln verstehen können. Die letzten drei (15, 16, 17) sind schon sehr mir einander verzahnt, und unsere Umsetzung relativ eng an den Romanen. Und wir hätten sie auch gern gleichzeitig rausgebracht, weil es ja eigentlich eine lange Geschichte ist, aber das liegt nicht unserer Hand, das ist Label Sache.

Wie viel Vorwissen hast Du in Bezug auf die einzelnen Charaktere und deren Entwicklung in der Heftvorlage? Mir ist z. B. aufgefallen, dass Olivaro in den Hörspielen eher am Rande stattfand und die weitere Entwicklung, welche ja damals ein wahrer Paukenschlag war, in seiner Wirkung geschmälert wird. Dafür wirkte er in den Hörspielen bislang einfach zu unwichtig und distanziert. Besteht die Gefahr, dass die Charaktere sich anders als in den Heften entwickeln?

Ja, natürlich. Auf jeden Fall, dass sie sich anders entwickeln, als im Kopf des Lesers der Romane. Denn was man im Hörspiel hört, ist ja meine Interpretation der Figur des Romans. Und die muss nicht mit dem Bild der anderen Leser übereinstimmen. Olivaro ist die undurchschaubare Gestalt, dessen Motivation einem noch nicht klar ist, dessen Position einem nicht klar ist. Der Anti-Dämon, stets leise, freundlich, ruhig und für mich damit eine der unheimlichsten Gestalten im Hunter Kosmos, eigentlich die größte unbeantwortete Frage. Da Du die Romane zu kennen scheinst, weißt Du, dass sich das sehr bald ändern wird und diese scheinbare Beiläufigkeit, Mitläufigkeit, Unwichtigkeit umschlagen wird in… nun ja… Aber dieser Moment ist nur dann groß, wenn seine Person bisher unwichtig, zwielichtig schien. Aber bereits in der nächsten Folge werden manche Fäden aufgezeigt, die er zieht…

Wie kommen eigentlich die von Dir durchgeführten Änderungen bei den alteingesessenen Fans an? Oder gibt es aus dieser Richtung kaum oder keine Rückmeldungen? Beispiele für Änderungen der Vorlage waren u. a. der Auftritt von Lilian Hunter in Folge 11, welche dort zuerst ziemlich gesund wirkte, oder auch Folge 14, welche mit der Vorlage rein gar nichts zu tun hatte. Diese dürften doch gerade aus dem Fanlager eher geteilte Rückmeldungen erhalten haben, oder?

Da gibt es kaum Rückmeldungen. Es gibt einige Roman-Bewanderte, die sich auch immer mal äußern, aber meist scheinen sie klar zu trennen und anzuerkennen, dass das eine die Romanserie ist und das andere eine Interpretation derer im Medium Hörspiel. Meine Herangehensweise war und ist, die große rote Linie wohl und bedacht zu verfolgen, aber neben dieser, dem Kenner der Romane noch etwas Neues zu bieten. Keine bloße Kopie der Romane zu schaffen, sondern einen Mehrwert zu generieren für Fans. Deshalb so eine Geschichte wie die des Mackandal. Uns hat zum Beispiel an den Romanen dieses Asmodi I/Asmodi II Thema geärgert. Nicht besonders elegant und zu wenig motiviert. Zwei Möglichkeiten: man lässt es weg – Asmodi ist und bleibt also ein und derselbe – aber das wäre halt sehr grob anders als im Roman. Oder man unterfüttert die Motivation für dieses Platzeinnehmen. Ich entschied mich für letzteres. So dichtete ich eine Geschichte dazu, die verschiedenste Dinge miteinander verbindet, welche im Roman nicht verbunden waren: der Ort auf Haiti, das Feld der Toten, Voodoo, die Pest, der schwarze Tod, das Einbinden der beiden Schwestern.
Und – übrigens - natürlich ist die Idee, das etwas, das man aus dem Tod zurück ins Leben holt, je länger es tot war, desto böser ist, eine Hommage an Stephen Kings „Friedhof der Kuscheltiere… Erst mit dem Hahn in Teil 15 vorgestellt, dann mit Mackandal richtig durchgezogen...

Wie wichtig sind dir diese Änderungen an den Hunter Romanen um weniger eine Vorlage zu vertonen, dafür jedoch etwas Eigenes geschaffen zu haben?

Sehr. Ich mache nur etwas gern, wo ich mich selbst auch einbringen kann und somit am Ende auch selber wiederfinde. Wenn jemand einen Regisseur sucht, der bloßer Ausführungshandlanger einer fremden Idee ist, dann möge er mich nicht anrufen.

Besetzt ihr die Sprecher zusammen oder obliegt das dem Regisseur und Autor der Folgen? Wen würdest du selber gerne mal in einer Hunter Folge hören?

Das obliegt schon dem Regisseur, wie es bei jeder Produktion - egal in welchem Medium - auch sein sollte. Allerdings muss es auch zu Wunschkandidaten immer eine Alternativen geben, denn manchmal stimmen Timing oder Salär nicht überein.
Wen ich selbst mal in einer Hunter Folge hören wollen würde, ist die Frage, mit wem ich gern mal zusammenarbeiten würde. Also vorweg geschickt, arbeite ich nicht so, sondern habe eine Vorstellung von der Stimme und Stimmung der zu spielenden Rolle und danach besetze ich. Aber gern arbeiten würde ich im sprachlichen Bereich zum Beispiel mal mit Till Schweiger. Ich liebe ja Herausforderungen. Das muss aber nicht für Hunter sein, sondern überhaupt. Und für Hunter käme sehr gut Christopher Lee in Frage…

Verkauft sich der Dorian gut oder muss man Angst haben dass die Serie inklusive eines offenen Endes demnächst eingestellt wird?

Wie oben beschrieben, hat die Romanserie bis heute ja kein Ende, da sie immer noch weiterhin geschrieben wird. Also selbst wenn wir alle bis heute veröffentlichten Romane vertont hätten, wäre da ein irgendwie offenes Ende. Da ich aber, wie oben bereits beschrieben immer in Zyklen schreibe und diese immer in einen Abschnitt zu Ende bringen, würde auch bei Einstellung an solch einer Stelle ein rundes, zufriedenstellendes Bild entstehen. Wie gesagt, könnte man jetzt nach Teil 17 ja schön Schluss machen… Aber Dorian geht’s gut, der macht es noch ´ne Weile…

Wie geht´s mit Dorian Hunter weiter? Kannst du schon sagen wie die nächste(n) Folgen heißen, was du grad machst und auf welche Gastsprecher man sich freuen darf?

Die nächste Folge trägt von mir den Arbeitstitel „Kane“, aber ich gehe davon aus, dass dem Verlag da noch was Griffigeres einfällt. Ich wollte, dass die Mitstreiter von Hunter an Profil gewinnen, so wird dies eine Folge mit Focus auf Phillip. Die beiden Folgen danach passieren sozusagen zeitgleich, am selben Tag. Arbeitstitel von Teil 19 ist „Richtfest“ und von Teil 20 „Devil´s Hill“. Es sind viele schöne Stimmen, schräge Typen/Rollen dabei, ich werde mal keinen rausheben.

Deine Serie "Goldagengarden" lag, so wie du sagst, jahrelang schon fertig geschrieben in deiner Schublade und du hast es verschiedene Labeln/Radiosendern angeboten aber die wollten es nicht haben. Hast du jetzt, nachdem die Serie doch das Licht der Hörspielwelt erblicken durfte, mal Reaktionen von Leuten bekommen, die es abgelehnt haben?

Ja. Einige haben mir gratuliert zu den Preisen, die die Produktion gewonnen hat.
Und ein paar davon lächelten gequält, als sie das taten…

Goldagengarden war ein spannendes Experiment. Hat es funktioniert? Waren die Verkaufszahlen genauso gut wie die Kritiken? Eigentlich war es ja eher ein Hörspiel in 9 Folgen unterteilt und somit garantiert ein finanzielles Risiko.

Ja, das war ein finanzielles Risiko. Ich hatte ja von anderer Seite das Angebot erst mal eine Folge zu produzieren und dann sehen wir mal, wie es sich verkauft und dann sehen wir mal, ob wir weitermachen… Das wollte ich nicht. Die Leute anfüttern, dann geht´s doch nicht so wie gehofft, dann wird der Laden dicht gemacht, das hatten wir zu oft in letzter Zeit. Ich wollte etwas rausbringen, was überschaubar ist und schließlich ein Ende hat und Punkt. Und ich glaube, das wurde goutiert.
Die Kritiken sind noch ein bisschen besser als die Verkaufszahlen, aber nach der Nominierung zum Deutschen Hörbuchpreis 2012 holen die Zahlen zu den Buchstaben auf…

Wie stehen aus diesen Gründen die Chancen für eine Fortsetzung? Wie könnte diese aussehen?

Ich denke über eine Fortsetzung nach, das will ja schon mal was heißen. (In Bezug auf die Zahlen.) Die würde aber inhaltlich ganz anders aussehen, soll heißen, es geht nicht mit Goldagengarden und in Schweden weiter, sondern lediglich mit den beiden Hauptprotagonisten. Aber in einem anderen Setting, einer anderen Geschichte, also wieder etwas Rundes, für sich stehendes, kann man hören ohne Goldagengarden zu kennen. Dies Jahr fange ich noch an, etwas auszuformulieren.

Ist eine Sammelbox mit allen Teilen geplant?

Ja. Aber natürlich wollte ich, dass eine gewisse Preissicherheit besteht und nicht alle Erstkäufer damit vor den Kopf stoßen, dass 4 Wochen später eine Box zum halben Preis erscheint. Aber 2 Jahre nach der Erstveröffentlichung könnte man anfangen darüber nachzudenken.

Dopamin, aus der "Mindnapping" Serie, ist ja phasenweise schon sehr explizit. Welche Grenzen im Hörspielsektor hast Du noch vor anzugehen und gibt es etwas, wo du selber sagst das kann man auch im Hörspiel nicht bringen?

Ich trete mit so etwas nicht an um aufzuzeigen, dass es dort eine Grenze gibt, sondern um zu zeigen, dass es keine gibt. Klein Hörspiel darf alles was seine großen Brüder und Schwestern auch dürfen. Dass so etwas im Hörspiel vielleicht mehr auffällt als im Film, zeigt nur auf, dass das Hörspiel als Medium inhaltlich noch lange nicht ausgereizt ist. Hier kann man noch einen Blumentopf gewinnen…

Hier wird noch deutlicher als bei Dorian Hunter, dass Hörspiele kein Kinderkram sind. Trotzdem haben Hörspiele, genau wie Comics und im Gegensatz zu Hörbüchern, genau diesen weitverbreiteten Ruf in Deutschland. Wie ist Deine Einschätzung dazu?

Das ist eine Generationenfrage. Wir zwischen 35 und 45 haben in unserer Kindheit Hörspiele gehört, fast alle, viele mehr als es jetzt noch tun, deshalb ist es für uns „Kinderkram“. Für eine Generation vor uns war Hörspielhören ähnlich wie Fernsehen, denn es gab ja noch kein Fernsehen. Und später dann eine Alternative dazu. Aber wenn wir exakt sein wollen, müssen wir sagen, dass das kommerziell verkaufte Hörspiel, am besten noch in Kassettenform, das Siegel „Kinderkram“ hat. Die Hörspiele des öffentlich-rechtlichen aber das Siegel „Intellektuelle, verkopfte Unterhaltung“. In beiden hat sich in den letzten Jahren viel getan. Beides ist nicht mehr wahr. Und die Akzeptanz ist weit höher als noch vor 20 Jahren.
Für Menschen aber, die sich mit dem Medium nie beschäftigt haben, und die dann einmal im Supermarkt ins Regal gucken und immer noch Die drei ??? und TKKG dort stehen sehen, ist es sicherlich immer noch „Kinderkram“, und es ist Ihnen nicht zu verübeln. Aber es soll auch Leute geben, die noch nie ein Buch gelesen haben. Ganz einfach, weil ihnen diese Art der Unterhaltung nicht gefällt. Selber umblättern und auch noch selber Nachdenken. Und so gibt es auch Menschen, denen die Art Hörspiel nicht gefällt. Das ist doch völlig legitim. Aber niemand, der mit halbwegs offenen Augen durch die Welt geht, wird annehmen Hörspiel sei noch immer und ausschließlich „Kinderkram“, wenn er z.B. „Wallander“ als Hörspiel liegen sieht. Da kennt er doch Inhalt aus mindestens zwei Folgen bei ARD oder ZDF.

Macht es mehr Spaß, selber wie bei Dorian Hunter die Zügel in der Hand zu halten, oder macht es genauso Spaß, die eigenen Geschichten aus der Hand zu geben, wie bei Dopamin? Warst Du beim ersten Hören eher enttäuscht, oder begeistert? Kann man seine eigenen Geschichten eigentlich objektiv anhören oder hattest Du die ganze Zeit daran gedacht, was Du anders gemacht hättest?

Letzteres ist natürlich eine Krankheit. Aber das ist nicht nur bei „aus der Hand gegebenen“ Sachen so. Das ich immer denke, warum hat er das nicht so gemacht? Oder, warum macht er das denn so? Das ist immer so, wenn ich Unterhaltung höre, lese oder sehe. Ich mache ja viel Bearbeitung. Also etwas Bestehendes anders umsetzen, straffer machen, witziger machen, spannender machen, trauriger machen, die Enden der Geschichte ausloten und neu zusammenbinden. Im besten Fall besser machen. Oder sagen wir: Medium gerechter. Wenn man nun also den ganzen Tag überlegt, wie kriege ich in diese Story mehr Kniff rein und sieht sich dann abends zur Entspannung einen Film an und da ist die Story irgendwie blöd, dann setzt das automatisch wieder ein und man überlegt, dass das so oder so aber schöner gewesen wäre… Aber das geht ja vielen tausend Menschen am Wochenende auf der Tribüne eines Fußballstadions nicht anders, hab ich mir sagen lassen…
Aber zur Frage: Es ist schön, alles in der Hand zu haben, denn es macht mir Spaß Regie zu führen und auch das Rumpuzzeln und Probieren bei Schnitt und Tonproduktion, aber es ist auch sehr schön, mal „nur“ etwas zu schreiben und dies dann irgendwann später in fertig zu hören.

Auffallend an Deinen Hörspielen und somit ja auch ein Markenzeichen, ist das Ausbrechen aus herkömmlichen Erzählstrukturen. Es gibt keinen Erzähler, die Handlung wird von den Charakteren getragen und die Handlung verläuft nicht immer stringent. Hinzu kommen ja auch diverse Soundspielereien. Mir ist aufgefallen, dass gerade diese Soundspielereien immer mehr zugenommen haben und vor allem die Dorian Hunter Folgen manchmal schwer, oder eher anstrengend, zu hören sind. Häufig dreht man die Lautstärke auf, nur um danach die Boxen um die Ohren geschlagen zu bekommen. Geht da manchmal der Spaß beim „Machen“ mit Dir durch? Denkst Du immer an den Hörer, während Du Die Folgen produzierst und welche Akustik ihm gerade um die Ohren schwirrt? ;-)

Nun ja, bei „Die Winterprinzessin“ gibt es einen Erzähler, und das nicht zu knapp, und die Erzählweise ist auch eine eher herkömmliche. Und „Goldagengarden“ ist absolut chronologisch erzählt. Aber was Dorian Hunter betrifft, ist es schon so wie Du sagst. Durch den anfänglichen Entschluss (der ein schwerer war) eine Serie völlig ohne Erzähler auskommen zu lassen und die eigene Auflage, auch mal bei z.B. Actionszenen nur den Geräuschen Raum zu lassen und nicht Sätze wie „er schlug ihm links auf die Backe“ noch darüber zu sprechen, gibt es in manchen Momenten, wo man etwas erläutern muss, nur zwei Möglichkeiten: entweder erzählt man es vorher oder nachher. Also ist allein schon dadurch die gewöhnliche Erzählstruktur gebrochen. Und eben diese muss zur Produktion passen. Eine Serie wie Hunter, in der auch bereits in den Romanen immer wieder zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und hergesprungen wird, bietet sich strukturell dafür geradezu an. Und natürlich macht es auch Spaß verschiedene Erzählweisen auszuprobieren. Oder um auf oben zu sprechen zu kommen: auszureizen.
So und jetzt fragt mich endlich mal einer nach den Soundspielereien…
Ich habe noch nie von einem Film-Kritiker gelesen, dass er schrieb, „in der und der Szene war das Bild im Hintergrund aber etwas unscharf.“ Nein, im Film wird es als Stilmittel angenommen. Wie die blutigste Szene in „Kill Bill“ plötzlich schwarz-weiß ist, wie Woody Allen plötzlich durchsichtig wird, weil sich nicht fühlt, wie in Cloverfield die ganze Zeit die Kamera wackelt, dass einem schlecht wird und tausend weitere Beispiele. Alles Stilmittel. Und alle sind bereit im Kino das Maul zu halten um die leise Unterhaltung zu verstehen und allen macht es garnichts, wenn ihnen einen Moment danach die Ohren klingeln, weil olle Vader sein Lichtschwert benutzt. Und alle sind bereit sich mit Brille 3 Stunden ins Kino zu setzen um Avatar in der dritten Dimension zu bewundern.
Aber Hörspiel soll im Auto genauso klingen wie beim Joggen oder zu Hause oder über Kopfhörer? Und die Story soll ich verstehen, auch wenn ich dabei bügel oder mal kurz telefonieren gehe?
Nun, solche Hörspiele gibt es sicher.
Aber das ist nicht meine Herangehensweise, dazu nehme ich es zu ernst.
Hörspiel ist eine Kunstform wie jede andere auch. Und ich verlange die gleiche Aufmerksamkeit, die auch anderen zu Teil wird. Wenn ich bei einem Medium, das rechts/links und laut/leise zur Verfügung hat, immer bloß alles Mono und gleichlaut anbiete, habe ich das Medium nicht verstanden. Oder bin nicht bereit es auszuloten. Oder (Ausnahme) es ist Stilmittel.
Ich gebe mir viel Mühe, dass man auch beim dritten Mal Hören noch etwas Neues entdeckt. Und die Spielereien passen sich der Story und der Erzählweise an. Sie sind nie Selbstzweck, sondern stets Stilmittel. Und ich zitiere mich hier von vor 5 Jahren, als Hunter anfing: dies sind Hörspiele für Fortgeschrittene. In Erzählweise, Struktur, Dramaturgie und eben auch Sound. Sie verlangen Aufmerksamkeit, trotz vielleicht inhaltlich leichter Unterhaltung. Wenn ich nicht bereit bin diese aufzubringen, ist das völlig in Ordnung, aber dann bin ich hier falsch. Es gibt ja genug Alternativen, wo sich das Hörspiel genauso anhört, wie vor 20 Jahren produziert. Wenn ich Erzähler brauche mit haarkleinen Beschreibungen und Sprache hören will, die immer verständlich ist, auch wenn sie hinter Türen oder in der Ferne stattfinden, dann kann ich zu denen greifen. Ich für meinen Teil, habe mir was anderes vorgenommen. Und dabei denke ich beim produzieren erst in zweiter Linie an die Hörer. Ich mache es so, wie ich es mir wünschen würde zu hören. Ich erzähle die Geschichte so, wie ich es mir wünschen würde, sie zu hören. Ich mache die Stimmen so leise, wie ich glaube, dass sie wären, würde ich ihnen durch die geschlossene Tür lausche. Anders als durch diese subjektive Herangehensweise würde man, glaube ich, verrückt werden, wenn man stets versuchen würde, es allen und jedem recht zu machen. Und im Übrigen glaube ich auch nicht, dass die Spielereien mehr geworden sind, man denke nur zurück an die „Kampfszene raus aus dem Schloss“ aus Teil 1, wo nur Fetzen zu hören waren, wie ein Musikvideo geschnitten, bloß Flashes. Die Spielereien sind nicht mehr geworden, sondern bloß andere. Neue. Ausloten, -reizen, -probieren.

Wäre doch sicherlich mal ein interessantes Projekt...Hast du Interesse an Gastfolgen etablierter Serien? Wäre es nicht mal was, eine Göllner-typische Folge z. B. der Drei ??? anzugehen?

Würde ich sofort zusagen! Hätte sogar schon eine Idee. Ich würde andererseits auch jemanden eine Hunter Folge machen lassen. Hätte ich Spaß dran. - Nun ja… kommt drauf an, wer es ist…

Zaubermond hat für den Herbst 2012 ein neues Kai Meyer Hörspiel angekündigt, wirst du das wieder umsetzten und kannst/darfst/möchtest du schon verraten um welchen Roman es sich handeln wird?

Ja. Das Skript nach dem Roman von Kai ist von mir, ich werde Regie führen, oder tue das bereits und mache auch die Bearbeitung, also Schnitt und Tonproduktion. Die Titelveröffentlichung fällt dem Verlag zu. Hauptprotagonistin ist diesmal eine junge Dame, das darf ich verraten, denn das ist in mehreren Büchern von Kai der Fall und die wird gespielt von einer relativ etablierten jungen Schauspielerin, die damit ihr Debut im Hörspielbereich gibt und die zuletzt im Film Kokowääh zu sehen war.

Wieso grad Kai Meyer, magst du seine Romane selber gerne lesen oder weil die Meyer Romane grad nach einer Hörspielumsetzung schreien? Wie wär´s denn mal mit der "Merle" Trilogie, da gibt es ja sogar schon vom WDR die Vorgeschichte als Hörspiel.

Also, berufsbedingt habe ich schon mehrere Romane von Kai gelesen – und mich nie gelangweilt! Im Gegenteil! – aber meine persönliche Vorliebe ist nicht der Grund, warum diese Zusammenarbeit zustande kam. Dennis Ehrhardt und Kai Meyer kennen sich schon etwas länger und Dennis wollte gern etwas von ihm vertont herausbringen und hat mich gefragt, ob ich das machen wollte. Und das war der Zeitpunkt, das ich zum ersten Mal etwas von Kai las. Und da ich mir vorstellen konnte aus „Die Geisterseher“ ein spannendes, unterhaltsames Hörspiel zu machen, habe ich zugesagt. Nachdem das gut ankam, kam „Die Winterprinzessin“ ins Spiel. Und Dennis wollte diese Zusammenarbeit dann ausbauen und so las ich vor einem Jahr drei Romane von Kai und dann trafen wir uns auf der Buchmesse in Leipzig und haben das für und wider aller drei Romane besprochen und uns schließlich auf den nun im Herbst Folgenden geeinigt. So geht das.

Was kann man zukünftig von Marco Göllner erwarten? Gibt es neue Projekte?

Nein. Ich schreibe noch immer an Teil 23 von Hunter, produziere gerade Teil 18 und 19, habe dafür aber noch nicht alles aufgenommen und fahre übermorgen nach Hamburg und von dort nach Berlin um die noch fehlenden Sprecher aufzunehmen, und dann produziere ich Hunter zu Ende inklusive Teil 20 und dann ist Hunter für dieses Jahr rum und dann produziere ich die Geschichte von Kai Meyer, damit die pünktlich zur Buchmesse in Frankfurt erscheinen kann und dann hab ich Luft mich um eigene Ideen, wie z.B. Goldagengarden 10, zu kümmern und dann mach ich Urlaub oder beides gleichzeitig.

Das war´s dann (fast) von uns, wir danken dir für das Interview. Die letzten Worte gehören dem Interviewten, möchtest du den werten Lesern/Hörspielern noch etwas mitteilen?

Ich wünsche Allen „Gute Unterhaltung“. Für schlechte ist das Leben zu kurz.



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Drops

Jäger und Sammler

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2

Dienstag, 6. März 2012, 08:36

Sehr schön!
Mein Dank an Marco Göllner für die ausführlichen Antworten.
Interessant dass es mit Goldagengarden in irgendeiner Form weitergehen soll/wird/kann.

Und ne 3??? Folge von ihm fänd ich auch spannend. Zumal er ja auch schon Idee hat....
Tagsüber bin ich immer sooo müde,aber nur weil ich nachts ein Superheld bin

Agatha

Meister

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3

Dienstag, 6. März 2012, 11:05

Ja, das nenne ich wirklich sehr ausführlich antworten! :]
Nun, Dorian Hunter ist ja auch schon seit der ersten Folge eine meiner absoluten Lieblingsserien, und da freut man sich als treuer Fan natürlich, dass es so gut läuft und hoffentlich noch richtig lange weitergeht.
Erinnere mich noch gut daran, wie wir hier 2008 im Chat mit vier oder fünf Leuten (das waren noch Zeiten :D ) die Nummer 1 gehört haben und die gleich alle so klasse fanden. :gut:
Das ist, zumindest für mich, bis heute so geblieben.
Wenn ich auch zu denen gehöre, und dazu stehe ich, egal wie das bei den Machern ankommt, die nicht immer alle Soundeffekte so toll finden. ;)
Aber dafür habe ich meine ganz speziellen Gründe, und die haben nix mit Unaufmerksamkeit bzw. Nebenher-Hören-Wollen zu tun.
Bedeutet dann halt, dass ich mir die Dorians teilweise nur über Kopfhörer genehmigen kann, um wirklich jedes Detail mitzubekommen.

@Drops: Ob das mit einer DDF-Folge was wird, wage ich eher zu bezweifeln.
Vor dem Hörspiel liegt ja erst mal noch das Buch, und Kosmos vergibt meines Wissens nach keine Aufträge für nur einen Band, da müssen gleich noch gute Ideen/ halbausgearbeitete Vorlagen für mehrere Geschichten geliefert werden, sonst sind die nicht interessiert.
Zumindest habe ich das mal in einem DDF-Forum gelesen, die Schreiberin dort war eine Fragezeichen-Autorin.
Und die Zeit, sich dem Projekt dann auch noch zu widmen, muss man erst mal haben.
Obwohl ich die Idee auch schön fände. :)
Man muss immer etwas haben, worauf man sich freut. (E.Mörike)

Drops

Jäger und Sammler

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4

Dienstag, 6. März 2012, 16:28

Ich glaube auch nicht wirklich daran dass er mal eine Folge der 3 ??? produziert/schreibt oder so, aber fänd es spannend was er daraus machen würde.
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Poldi

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5

Samstag, 10. März 2012, 11:55

Es könnte ja auch so eine Special Folge werden wie z.B "der DreiTag"



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6

Samstag, 10. März 2012, 19:57

Ich glaube, die Frage wird sich nicht wirklich stellen. Die war ja auch eher als kleiner Gag gedacht. Auf jeden Fall aber ein fettes Danke schön an Marco Göllner für seine Interviewbereitschaft und seine ausführlichen Antworten. Seine Antworten machen auf mich einen sympathischen Eindruck und ich bin nun wirklich wie ein Flitzebogen auf die weiteren Dorian Hunter Folgen gespannt. Vor allem, wie er dieses Folgenwirrwarr im Vergleich zu den Heften umsetzen wird. :]

Poldi

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7

Montag, 12. März 2012, 09:55

Der Mann scheint ja auch so genug zu tun zu haben da muss es nicht noch eine drei ??? Folge werden.



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